Archiv der Kategorie ‘W’rooge AKTUELL‘

Vertippt…

Freitag, den 1. Juli 2022

habe ich mich ganz sicher nicht, aber der aufmerksame Leser merkt sofort, dass diese Überschrift nicht zu den ersten der Woche passt. Dort ging es immer um die Schlagworte unserer Gospeltime, aber heute – heute sollte alles anders werden.

Es ist Abend geworden, die dicken Regenwolken, die eben noch mit einigen Tropfen meinten, uns erschrecken zu wollen, sind mittlerweile in Richtung offenes Meer abgezogen und weit entfernt vom Haus hört man Kinderrufe. Vom Haus aus, am Friedhof vorbei bis hin in das von Trampelpfaden durchzogene Dünengebiet klingen diese lauten Rufe, die sich anhören, als würde jemand gejagt. Und wer uns schon länger kennt oder seine Kinder mit uns mitschickt, weiß, dass es wirklich so ist. In diesem Fall sind es Peruaner, Engländer, Franzosen, Amerikaner, Chinesen und Brasilianer, die sich eine rasante Jagd um die Erforschung des von Professor Henry Jones Jr. in Peru entdeckten Hovitotempel liefern. Ja, ihr habt richtig gelesen – Professor Henry Jones Jr. – DER „Indiana Jones“, der mit seiner Abenteuerlust und seinem archäologischen Forscherdrang schon so manchen verloren geglaubten Schatz entdeckt hat. Vom jeweiligen Basislager aus werden Utensilien für die letztendlich Erforschung erspielt, mit bestimmten Utensilien bekommt man Zugang zu den verschiedenen Grabkammern und wenn man nicht all zu oft den leider im tiefen Dickicht um den Tempel versteckt lebenden Räubern zum Opfer fällt, hat man gute Chancen, die Erforschung des Tempels dem eigenen Land gutschreiben zu lassen und damit in allen Geschichtsbüchern der Welt und Wikipedia als archäologische Wundertruppe erwähnt zu werden.

Allen tut die Ablenkung und intensive Beschäftigung am Ende des heutigen Tages wirklich gut. Der Tag begann für uns leider mit der Nachricht, dass zwei unserer Teamer positiv auf Covid 19 getestet waren. Sie wurden sofort von dem Rest des Teams separiert und wir begannen zu planen, wie wir weiterhin verfahren wollten. Sollte doch der heutige Tag besonders für einen Teilnehmer ein ganz besonderer Tag werden – Neo hatte heute Geburtstag und ist nun 11 Jahre alt. Wann kommt man schon in den Genuss, mit so vielen Menschen und Freunden auf einer fernen Insel mitten im weiten Meer seinen Geburtstag zu feiern? Ein schokoladiger Geburtstagskuchen wurde direkt zum Frühstück mit anderen Kindern geteilt und Glückwünsche entgegengenommen.

Direkt nach dem Frühstück kamen dann leider erste Kinder zu uns und klagten über Hals- und Kopfweh, und schnell stellte sich – dank der von uns mitgebrachten Selbsttests – heraus, dass neben den zwei Teamern sich auch drei Teilnehmer, wann auch immer und wo auch immer infiziert hatten. Somit war schnell der Beschluss im Team gefasst, ohne Ausnahme alle Teilnehmenden der Freizeit voneinander getrennt in ihren jeweiligen Zimmern von ihren jeweiligen Zimmerleitern testen zu lassen und hierbei konnten zwei weitere positive Fälle herausgefiltert werden. Letztendlich war der übrige Tag für uns Teamer und das Hausteam mit vielen organisatorischen Überlegungen gefüllt, es wurde eine Quarantänestation eingerichtet, welche sich in einem eigenen Gebäudeteil des Bielefelder Hauses befindet. Dort werden die Kranken, denen es weitestgehend bis auf leichte Symptome gut geht, mit allem versorgt, was sie brauchen. Am Nachmittag kam sogar die Ärztin aus dem Dorf zu uns heraus und hat sich um jede und jeden Einzelnen seinen Beschwerden entsprechend gekümmert.

Dass uns so etwas während dieser zwei Wochen auf der Insel passieren könnte, war uns auch im Vorfeld bereits klar, und dennoch hofft man, dass es einen nicht trifft. Dank des schnellen Umplanens unsererseits und der guten Vorüberlegungen im Konzept des Bielefelder Hauses, können wir am heutigen Abend auf einen guten Tag zurückblicken, in der Hoffnung, dass es nicht in den nächsten Tagen noch weitere positive Testungen gibt. Die Ärztin steht uns auch weiterhin stets zur Verfügung – Anruf genügt, meinte sie, und auch das ist für uns ein gutes und beruhigendes Gefühl. So werden wir auch in den nächsten Tagen noch ein abwechslungsreiches Programm für eure Kinder auf die Beine stellen und mit unserem Team, das weitaus mehr als 100% gegeben hat heute, alles geben für eine gelungene Freizeit.

Bleibt noch Euch Eltern ganz herzlich zu danken, wie freundlich, besonnen, zugewandt und empathisch Ihr auf unsere telefonischen Mitteilungen reagiert habt. – Nachdem unsere mitgebrachten Tests am heutigen Vormittag aufgebraucht waren, versuchten wir hier auf der Insel Nachschub zu bekommen, damit wir auch in den nächsten Tagen noch Testen können. Erst durch die spontane Unterstützung durch unseren Hausvater Bernd Stramm und schließlich die unkomplizierte Hilfe von Wangerooges Bürgermeister Marcel Fangohr, konnten weitere Schnelltests aufgetrieben werden. Vielen Dank auch an alle, die spontan finanzielle oder auch materielle Hilfe angeboten haben. Es tut gut, auf Euch zählen zu können!

Text von Inke Armbröster

Fotos Tag 6

Bescheiden…

Donnerstag, den 30. Juni 2022

…geben wir uns als Team auf unseren Freizeiten wirklich nicht. Wir stellen hohe Ansprüche an uns und unsere Planungen und möchten euch und euren Kindern eigentlich nur das Beste bieten. Frei nach dem Motto „Klotzen statt Kleckern“ – oder war das andersherum. Nein, jetzt mal ganz ehrlich geschrieben – schon die Planungen für solch eine Freizeit laufen in unsrem Team mit viel Spaß und Motivation, oftmals weit im Voraus, manchmal aber auch erst in letzter Minute. Manchmal überkommt uns die Kreativität und manchmal auch der Wahnsinn, wenn wir zusammensitzen und Pläne schmieden. Und dann bleibt auch schon mal doch nicht so viel Zeit, wie gedacht und schon sitzen 14 von 16 Teamern im Mitarbeiterraum und schnibbeln Kärtchen aus für das nächste Spiel, das allerdings schon in einer Stunde startet. Aber unser eigener Anspruch ist es, der uns immer wieder zu Höchstleistungen treibt. Und sehen wir dann zufriedene Kinder draußen auf dem Gelände die ihnen gestellten Aufgaben lösen oder miteinander in der Mittagspause Lieder aus der Gospeltime singen, weil sie alle einen Ohrwurm haben, dann dürfen wir ganz un-bescheiden sagen „wir haben alles richtig gemacht!“

Bescheidenheit war auch das Thema unserer heutigen Zeit in der Inselkirche. Wissen die Kinder, was mit dem Wort gemeint ist? Was bedeutet es, bescheiden zu sein? Die eigenen Ansprüche vielleicht nicht ganz so hochzuschrauben? Ist es mir wichtiger, anderen Menschen zu helfen oder stelle ich meine eigenen Bedürfnisse in den Vordergrund? Ertrage ich es, wenn ich etwas nicht bekommen kann? Sind mir Freunde wichtiger als Geld? Solche und andere Fragen standen im Fokus der Diskussionen untereinander, und in der Theorie ist uns wohl allen klar, dass es wichtiger ist, wie wir sind und nicht was wir haben. Aber im alltäglichen Leben, im Vergleich mit anderen, fällt dies oft nicht leicht. Und das gilt nicht nur für Jugendliche, die im Laufe ihrer Entwicklung an sich selbst zweifeln. Auch Kinder fühlen sich im Vergleich mit anderen oft nicht wohl, glauben, sie würden Ansprüchen nicht genügen und könnten an sie gestellte Erwartungen nicht erfüllen. Sich zufrieden geben mit dem, was man hat, kleine Schritte erreichen können und das, was „ist“ in den Mittelpunkt zu stellen, ist auch für uns Erwachsene in einer anspruchsvollen Gesellschaft nicht leicht. Wir sind nicht weniger wert, weil wir weniger haben. Und das, was wir in uns tragen, das was uns ausmacht, das sollten wir uns von keinem nehmen lassen, denn das macht uns – ganz unbescheiden – einmalig.

Auch das Wetter zeigt sich dieser Tage wirklich nicht bescheiden – die Sonne gibt alles, was sie kann, der Wind macht die Temperaturen erträglich und das kühlende Nass der Nordsee tut sein Übriges dazu. Wir gönnen uns und euren Kindern die Zeit am Strand. Zeit zum Chillen, Zeit zu Planschen, Zeit zum Spielen, Zeit zum Quatschen. Solltet ihr euch wundern, warum es von der eigentlichen Strandzeit nicht so viele Bilder hier gibt, dann liegt es daran, dass wir gerne die Spielsituationen festhalten und auch die Stimmung widerspiegeln möchten, aber gerade in Badeanzug, Bikini oder Badehose sind eure Kinder eher zurückhaltend und dann möchten wir hier auch nicht Bilder zeigen, die ihnen später vielleicht unangenehm sind.

Der Abend hier ums Haus verläuft gerade extrem chaotisch. Überall laufen Kindergruppen herum, überall hängen Zettel, große Kinder, kleine Kinder bunt gemischt, Würfel, Luftballons, Spielfelder, Symbole, Vogelarten werden genannt, gerechnet wird, wie alt alle Teamer zusammen sind, Kinder schreiben Gedichte, alle drehen sich im Kreis um eine Flasche, Hampelmannsprünge, Papierflieger, das Alphabet wird aufgesagt und Rudolf das Rentier gesucht. Wenn das nicht chaotisch ist, weiß ich es auch nicht. Aber nicht, dass ihr denkt, dies ist einer der „Wahnsinnsanfälle“ die ich oben schon beschrieben habe, es ist einfach nur das Chaos-Spiel. 100 Zettel werden auf dem Gelände verteilt, die die Kinder, je nach erwürfelter Zahl auf dem Spielfeld suchen und finden müssen. Auf der Rückseite des Zettels ist ein Symbol, diesem Symbol wiederum ist ein Spiel zugeordnet, oder eine Frage, oder eine Aktion – und wenn das alle Gruppen gleichzeitig und doch durcheinander spielen, scheint es schonmal chaotischer als es wirklich ist.

Text von Inke Armbröster

Fotos Tag 5

Weitere Fotos sind noch in Arbeit


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