Zeitreisen werden immer beliebter

Von Roland Armbröster am Sonntag, 21.07.2019 um 22:08 Uhr, in der Kategorie Aktuell, Inselfreizeit, Tagebuch, W'rooge AKTUELL.

Zunächst nehme ich euch mit auf eine ganz kleine Zeitreise – bis hin zum gestrigen Abend. Nachdem der Regen sich alsbald verzogen hatte und die Sonne noch einmal mit voller Macht die Abendluft erwärmte, beschlossen wir kurzfristig, doch noch an den Strand zu gehen. Dabei waren all die, die am Nachmittag bereits die Escape Rooms enträtseln durften. Ein paar kleine Plastikhütchen dabei und zwei Bälle – sah ganz nach einem spontan-Völkerball-Event aus. Es ist wirklich schön, wie man mit diesem ehemaligen Kriegsspiel, das die Schlacht zweier Völker symbolisieren sollte, ein spaßbringendes, abwechslungsreiches und immer wieder neues Spiel in den Sand zaubern kann. Und wenn dann auch noch die Großen unter sich spielen dürfen, merkt man gleich, das Würfe und Treffer wesentlich genauer und schneller kommen. Was die Kidies derweil am Strand erschaffen haben, habt ihr ja vielleicht schon aus dem gestrigen Titelbild schließen können. Sandskulpturen waren gefragt, und mit viel Fantasie und noch mehr Sand entstanden vier sehr unterschiedliche Gebilde – eine Scheibe Wassermelone, eine kleine Insel und ein Boot, eine Meerjungfrau und eben der Seestern. Klingt eher schlicht und schnell zu bewerkstelligen, aber das wirklich Schöne waren die Geschichten dahinter, die die Kinder sich für die Jury Bewertung zusätzlich einfallen lassen sollten. Da wurde aus der Melonen Scheibe eine uralte Melonenscheibe, die damals von einer Möwe hier fallen gelassen wurde und im Laufe der Jahrhunderte, weil keiner dieses unbekannte Ding essen wollte, vom Meer und Wind versteinert worden war. Sie ist so berühmt, dass es sogar wertvolle Ölgemälde von ihr gibt. Und die Meerjungfrau, deren Sandkopf leider der Schwerkraft nachgeben musste und nach und nach einstürzte, die lag am Strand und wartete auf ihr Menschenfreunde, die gegangen waren, und sie durfte ja das Meer nicht verlassen. Und so lag sie da und wartete und wartete, leider zerfiel sie dabei jeden Tag ein wenig mehr. Und immer, wenn die Flut sie wieder überspült, ist sie neu und schön wie eh und je und wartet weiter. Die Insel und das Boot wurden in die beliebte und bekannte Jim Knopf Geschichte umgewandelt, in der Jim die Prinzessin Li Si rettet. Sandy, der Seestern, brachte uns mit seinen Freunden Fischi, Qualli und Krabbi die Sea-App nahe, eine Art Meeres Whatsapp, mit der beispielsweise ein Liebesbrief an Arielle geschrieben wurde, der uns dann auch gleich vorgelesen werden konnte. Wirklich sehr spontan und fantasievoll eure Kinder, denn dass sie sich eine Geschichte ausdenken sollten, erfuhren sie erst wenige Minuten vor Ende.

Die nächste Zeitreise nahm uns heute im Gottesdienst in der Inselkirche mit in die Zeit von Martin Luther King – „I have a dream“ war das Thema und gemeinsam mit der Urlauberseelsorgerin, die derzeit auf der Insel Dienst tut, brachten wir den Urlaubern und Insulanern nahe, was uns in den Tagen zum Thema Traum beschäftigte und was unser T -Shirt „Meer träumen“, welches heute alle stolz zum ersten Mal trugen, uns und ihnen mit auf den Weg geben möchte. So wie King, der seinen Traum von der Gleichheit der Menschen, vom gegenseitigen Respekt sein Leben lang verfolgt hat, der sich für die Schwachen und Unterdrückten stark gemacht hat, so sollten auch wir die schwachen und verfolgten nicht aus dem Blick verlieren und der Tatsache, Gottes Ebenbild zu sein, in unserem Leben Raum geben, seine Prägung zulassen und so vielleicht auch andere prägen.

Die dritte Zeitreise heute erinnert uns an die Vorbereitung und das Planen und nimmt uns mit zu dem Moment des Koffer Packens – denn heute durften sie endlich herausgeholt und präsentiert werden – die unglaublichen Kostüme der Kinder und Mitarbeiter. Thema war „Zeitreise“ und somit fand sich wirklich alles wieder, vom Dinosaurier über den Steinzeitmenschen, Napoleon, Cäsar und Indianer, es gab Ritter und Wikinger, Prinzessinnen und Feldherren, Ladies und Gentlemen aus den 20ern, Hippies, Rock n Roll Girls, Piraten, Babys, Hofdamen, Roboter und Wesen aus der Zukunft, halb Mensch halb Roboter. Das Problem, also die Spielgrundlage, war folgendes – es hat einen Defekt im Raum-Zeit-Kontinuum gegeben und alle Teamer waren aus ihrer alten Epoche im Hier und Jetzt hängen geblieben. Die Teilnehmer mussten nun quer durch das Dorf an unseren Stationen Teile für den Zeitkompass erspielen, der es jedem von uns ermöglichen würde, in unsere Zeit zurückzureisen. Die jeweiligen Spiele entsprachen natürlich dem Wissen und Naturell des Teamers, der die jeweilige Station besetzte. So ist für den Neandertaler hier bei uns natürlich alles ungewohnt und er möchte sich mit Dingen umgeben, die er kennt. Er ließ die Kinder Steine werfen (Boccia) und das Feuer löschen, welches ihm Angst machte (Teelichter ausspritzen). Glitzer, Prunk und Glücksspiel fehlen dem adretten Gentleman aus den 20ern in der heutigen Zeit. Um wenigstens ein bisschen Glamour ins Inseldorf zu bringen, lässt er die Teilnehmer Glasperlenketten anfertigen und fädeln. Das Burgfräulein ist schockiert, dass ihre Silbertaler in der heutigen Zeit nirgendwo mehr angenommen werden und möchte sie in Euro tauschen. Sie lässt die Kinder Geld in einem Glas schätzen und Münzen schnipsen. Und so stand jedes Spiel an den Stationen im Zusammenhang mit der Epoche, die der Teamer darstellte. Es gab römische Wagenrennen, Boote falten für Wikinger, dem Feldherren musste beim Benennen der Flaggen geholfen und der Indianer Goldschatz aus Pferdeäpfeln gefischt werden. Dem Hippie wurde beim Suchen der versteckten Plastikblumen geholfen, im mongolischen Reich mussten Erbsen von Linsen getrennt werden, der Pirat hatte seinen Teil des Zeitkompasses in einem Parcour versteckt in den guten alten 50er Jahren mussten die Kinder Lieder gurgeln, die die anderen dann erraten mussten. Was für ein Spaß, wenn wir mit fast 100 verkleideten Freizeitlern ins Dorf einfallen und alle Blicke auf uns ziehen. Und welch eine Freude für uns, dass ihr und eure Kinder genau so verrückt bei der Sache seid und euch immer die tollsten Kostüme einfallen lasst.

Nach angemessener Zeit war das Ziel des Spiels erreicht – alle kaputten Zeitkompasse konnten wiederhergestellt werden und es ging zum stärkenden Abendessen zurück ans Bielefelder Haus. Nach dem Essen dann kam jedoch der Schock für eure Kinder. Wir – die Teamer – wollen gar nicht zurück in unsere Zeiten. Wir möchten einfach hierbleiben und somit geht es im Abendprogramm gegen uns und für uns gegen die Kinder. Die Kinder müssen Zeitsand schmuggeln, mit dem sie die große Sanduhr befüllen. Wenn diese voll ist, ist für uns Teamer alles vorbei und wir müssen zurückreisen in die Zeit. Das versuchen wir natürlich zu verhindern, und jagen ihnen die kleinen Bescher voll Zeitsand wieder ab, um sie zu vernichten. Eigentlich ist es ein ganz normales Fangen-Spielen, aber sobald es einen Namen hat wie Drogenspiel, Schmugglerspiel oder Zeitsand Rettung, macht es doch allen viel mehr Spaß, oder? Uns jedenfalls, und wir sind jetzt schon gespannt auf das Thema des nächsten Mottotages im nächsten Jahr – wenn wir es denn erreichen und nicht gleich am Ende des Spiels zurück in die Zeit reisen müssen…


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